Aug. 2019

Die Renaturierung der Emscher macht auch in den höher liegenden Netzbereichen umfassende Umplanungen notwendig. Im Bochumer Stadtteil Weitmar wurde daher, auch aufgrund von Überlastung des Bestandskanals aus dem Jahr 1909, der Bau eines neuen Sammlers für die Erstellung eines Trennsystems notwendig. In einem ersten Bauabschnitt erfolgte die Unterquerung der Hattinger Straße im bergmännischen Stollenbau (wir berichteten). Im zweiten Bauabschnitt erfolgte anschließend die Verlegung von Stahlbetonrohren DN 2400 im Rohrvortriebsverfahren.

Die Arbeiten fanden unter ökologischer Baubegleitung in der Grünanlage Wiesental statt, welche durch die Einstufung als Landschaftsschutzgebiet einen hohen Freizeit- und Naherholungsfaktor darstellt und daher strengen Schutzmaßnahmen unterliegt. Nutzbare Baufelder sowie BE-Flächen standen nur in stark begrenztem Maße zur Verfügung und erforderten ein besonderes Baustellen- und Bodenmanagement.

Aufgrund der zu erwartenden schwierigen geologischen Verhältnisse (u. a. schleifender Felshorizont und häufig wechselnde Bodenschichten) wurde der Vortrieb über insgesamt ca. 450 m mit offener Ortsbrust durchgeführt. Der abschnittsweise notwendige Trassenradius von 340 m machte den Einsatz von Stb-Vortriebsrohren DN 2400 mit einer Länge von 2,30 m sowie eine Onlineüberwachung mittels CoJack erforderlich.

Der Anschluss der seitlichen Zuläufe erfolgte zum Teil ebenfalls in geschlossener Bauweise. Dabei wurden Hausanschlussleitungen DN 150 mittels gesteuertem Bohrverfahren aus dem neu errichteten Sammler DN 2400 heraus durchgeführt. Anschlüsse von Kanälen größerer Nennweiten und Haltungslängen erfolgten sowohl im Microtunneling (DN 600) bzw. im Pressbohrverfahren (Stahlrohr DA 324) als auch in konventioneller offener Bauweise.

Trotz der geologischen und ökologischen Herausforderungen konnten die Kanalbauarbeiten zur Zufriedenheit aller Beteiligten erfolgreich abgeschlossen werden. STEIN Ingenieure war mit der Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung der Maßnahme betraut. Die Arbeiten werden mit der aufwendigen Renaturierung der Grünflächen in Kürze abgeschlossen.